DIE STUNDE DER NIEDERKUNFT

02.07.2012 21:35

 

DIE STUNDE DER NIEDERKUNFT

 

Pisstesse Herma‘S de la Deulange 1756

"Anmut" by LD

 

Mir ist kalt. Der Moos in meinem Haar erreicht den Nacken, ich werde sehen nach allen Seiten, bevor die Genickstarre mit die Sicht bricht.

Ich will nicht lügen, wenn ich sage: Ich liebe Euch!

Was kümmert euch mein Stand, was kümmert mich der Eure, zwischen uns liegt das Nichts.

Zwischen Gedeih und Verderb, Kunst und Wissenschaft, ein ewiges Nichts… die Hochzeit des Tieffalls…

Als ich verloren wurde ging ich umher, als ich verloren war, da legte ich mich nieder.       

 

Ich lag herum und aß eine frische himmlisch Rache zum Frühstück, obschon ein etwas namens Nacht mich streckte. 

Mein Frühstück erbrach ich dann mit breiter Lunge und legte diese Säure in eurer Atmosphäre.

Wolken trugen es zu euch, Gedankenwolken und schütterten es hernieder, schwer auf euren Fontanellen.

Wie soll ich schildern, diese waren noch ein wenig offen. Gerade so viel, dass alles Himmlische auf dem Boden fiel und alles Rächliche exakt bemessen, so groß wie der Spalt eurer Fontanelle, in diese hinein schlüpfte wie der Groschen in seinem Sparspalt…

Ich lag herum und meine Glieder wurden immer schwerer. 

Verloren geglaubt trank ich Brennnessel zu Mittag und mit meiner Linken hielt ich mir den rechten Mund zu.               

Ich pinkelte so ich da lag auf euch hernieder und es fiel gelbes Wasser in Strömen.           

Mein Gelb machte alles satter, euer Gelb hingegen machte dieses Alles fahler…

Perlen vor die Säue, wie Er es liebevoll nannte. Er war der erste und einzige Mensch, der Kadmon selbst…

Leonardo wusste es, als wir gemeinsam zu seiner rechten saßen.

 

Zur dritten Stunde lag ich immer noch da und sah mit Entsetzen bis ins Erdinnere.           

Ich sah Reptilien und wie sie ihre Netze sponnen und mit kalten Zungen eure Seelen leckten, bis ich die letzte Muschel öffnete und deren Perle runter warf.

Diese zersplitterte und es fiel Hagel und zermarterte euer Geschlecht und es wurde endlich still.

Endliche Stille in einer unendlichen, nicht endenwollenden Miriade.

 

Als ich verloren geglaubt noch immer da lag, sah ich mit chaldäischer Schärfe wie am Firmament die Sonne höher stieg und der Mond noch voller wurde,

so dann ich endlich zu bluten begann und das tiefste meiner Löcher war es, welches sich am weitesten öffnete und  es goss mein Rot auf euch und keiner

mehr schämte sich ob meiner Herkunft, denn es ist die ewig Unsere…

nun war die Stunde meiner werten Niederkunft gekommen.

 

So mancher sang: „Oh, Lillith…!“

 

                Verschweigt mir niemals mehr eure Mühe indessen ihr den Irrsinn übt, ich liebe euch…