Dieses Bild "Die Anbetung des (Wind)Hundes" fand ich zufällig im Nett und ein Schauer hat mich ergriffen. Hier tue ich es zusammen mit dem Auszug aus meinem Buche, in dem es nämlich gerade darum geht...

Auszug aus "Schlomo und die Windhunde oder was ist los in Spanien und sonst wo"
Die Begegnung der Windhunde mit den Nomaden in der Mongolei.
 

"...Und jetzt geschieht etwas Unerwartetes. Der Nomade verneigt sich vor den Windhunden. Eine Bewegung mit dem Oberkörper, mehr nicht, eine einzige, kleine Bewegung. Doch diese einzige und nach außen nicht sonderbare Bewegung bringt die Gemüter der Windhunde in eine ungeahnte Wallung.Sie kennen Menschen die sie mit Füssen treten und mit Händen schlagen, Menschen die sie knuddeln und küssen, Menschen die sie in Palästen wohnen lassen und ihnen Schmuck anlegen, Menschen die ihre Pfoten in Beton verewigen, Menschen die eben nichts anderes tun als ihre eigene Welt auf sie zu projezieren, doch noch nie haben sie Menschen getroffen die sich vor ihnen verneigt haben. Und ist es nicht so, dass tief aus dem Unterbewussten ihrer Erinnerung ein Bild aus Urzeiten auftaucht, als diese Geste noch wie selbstverständlich war! Die Windhunde spüren jetzt eine Ergriffenheit und eine Dankbarkeit, die nicht in Worte zu fassen ist, es ist als würde etwas Altes wieder gut gemacht, jetzt gerade, in diesem einzigen Augenblick.Sie vernehmen ein unermessliches Glück und eine nicht endende Dankbarkeit. Nun senken sie ebenso ihre Köpfe. In diesem Moment zollen Wandermensch und Windhund einander den Respekt und die Anerkennung, die jegliche verlorene Würde an ihren ursprünglichen Platz rückt.Windhund und Wandermensch verweilen sieben Weilen Lang in diese einmalige Gegenwärtigkeit und gießen sie in ihren Herzen in pures Gold. Die Hunde der Winde spüren, dass gerade eben alles wieder in Ordnung gebracht wurde. Sie vergeben den übrigen Menschen augenblicklich alles Gräuliche und fühlen ihre Seelen befreit und angekommen.Tiefe Seufzer der Erleichterung entkommen ihnen und für Emir ist es so, als ob er sein ganzes Leben lang nur auf diesen einen Augenblick gewartet hätte.
„Jetzt kann ich endlich sterben!“ ..."

 

 

Über die Entstehung meines Romanes „Schlomo und die Windhunde oder was ist los in Spanien und sonst wo“

 

Als meine Mischlingshündin Dtschondtscha vor ein paar Jahren viel zu jung starb, blieb ich sehr lange untröstlich und konnte das entstandene Loch in meiner Seele nicht schliessen. Der Schmerz war zu gross, denn sie war mir Kind und Gefährtin zu gleich. Das Fehlen ihrer Lebenspräsenz war so stark, dass ich begann jedes Lebewesen in meiner Nähe wahrzunehmen und zu lieben. So sensibilisierte mich Dtschondtscha durch ihren Tod für alles Lebendige. Sie lehrte mich es noch viel mehr zu achten und zu lieben. Ich sprach mit den Fliegen, freute mich auf jede Ameise ... jedes Lebewesen war mir plötzlich willkommen. Doch das Loch der Sehnsucht nach Dschondtscha konnte ich nur schliessen in dem ich wieder einen Hund zu mir nahm. Ich wurde aufmerksam auf das Schicksal der spanischen Windhunde und eine kurze Zeit danach war Schlomo da. Ein halbes Jahr später kam auch Wonka zu uns. Nun kann ich heute sagen, Dtschondscha war ein Hundeengel. Sie ging um Platz zu machen. Sie ging um mir von den Windhunden und ihr Schicksal zu erzählen. So konnte ich zwei Windhundseelen retten und schreibe dieses Buch als eine Wiedergutmachung, weil ich es muss, weil Dtschondtscha und Schlomo es so wollen.

Nun bewohnen Schlomo und Wonka meine Seele, so wie die Couchlandschaft und die Gegend um den Kühlschrank.

Das Schicksal der spanischen Windhunde – Galgos, ist weitaus das grausamste Hundeschicksal einer ganzen Gattung. In Spanien werden jährlich an die 100 000 Windhunde „entsorgt“. Sie werden dort als Nutztiere für die Hasenjagd verwendet und nach der dreimonatigen Jagdsaison getötet, da die Galgoeros (Jäger) die Hunde nicht bis zum nächsten Jahr durchfüttern wollen. Ganz Spanien ist übersäht mit Tötungsstation, Konzentrationslager für junge Windhunde. Es ist auch eine Frage der Ehre, wer am grausamsten seinen Windhund umbringt. Mittelalterlicher Umgang wird immerhin nicht mehr direkt mit dem Nachbar gepflegt… dafür gibt es ja Hunde, Frauen… Kinder…

In meinem Roman geht es darum, daß ein junger und geretteter Windhund Namens Schlomo den Ruf erhält, die Gruppe der Geretteten zu sammeln um gemeinsam mit ihnen die Geschwister in Spanien zu retten. Ein Windhundknabe mit Berufung, so zu sagen. (Eine Überforderung für ein junges Gemüt!)

Die Gruppe sammelt sich nun und der Älteste und Weiseste unter ihnen (der Rat der Weisen, gegenüber der oftmals irrenden Dynamik einer Gruppendemokratie) beschließt, daß sie alle gemeinsam eine Runde um die Welt laufen, um friedlich auf sich aufmerksam zu machen. Die Hunde werden nun gemeinsam ihr höchstes Gut und einmaliges Talent, nämlich das Laufen, dem Himmel weihen um Gutes zu tun! (hier geht es um die Zweckgerichtetheit  einer jeden Existenz.)

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ - Erich Kästner.

Die Hunde investieren hier ihre einmalige Fähigkeit um edles und großes zu tun und nicht mehr um die Eitelkeit der Menschen zu bedienen. Ein Lauf um die Erde beginnt und die Windhunde erleben auf ihrem Weg um die Erdkugel sehr, aber sehr viel.

In meiner Geschichte werden Originalschauplätze und Personen benannt, die Hunde – Protagonisten  sind nicht erfunden, sondern sie alle gibt es, sie alle wurden gerettet und warten sehnsüchtig darauf ihre Geschichte erzählen zu dürfen.

Ich folgte ebenfalls dem Ruf diese Geschichte zu schreiben, als ich erkannte, daß ich mit dem wenigen Spendengeld, welches ich immer wieder spendete machtlos bin wirklich etwas zu bewegen. Ich beschloß inspiriert durch die Windhunde, meine Fähigkeit des Schreibens zu Verfügung zu stellen. Um es zu tun… das Gute. Damit es ES gibt!

Diese Geschichte dient nicht einer persönlichen künstlerischen Selbstentfaltung, ich gebe mich viel mehr der Sache hin und verbinde mich geistig und seelisch mit den Gattungen aller Tiere in der absoluten Überzeugung, daß unsere gegenwärtige Zeit den Einsatz jeden Einzelnen bitternötig hat. Wir müssen alle so gut es geht unser Leben umdenken und neu strukturieren. Jeder auf seine Weise.  Damit unsere Kinder die Möglichkeit einer gesunden Ver-wirkl-Ich-ung erfahren können.

In meiner Geschichte ändert sich der Ton mit ihrem Voranschreiten.

Die Erzählung „wächst“ mit Schlomo – den jungen Auserwählten - gewissermaßen mit.

Von „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, über „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, durch „Wer Wind sät, erntet Sturm“ bis hin zu „Den Himmel auf Erden“ ist ein langer Weg. Viele Tiergattungen treffen hier aufeinander, erzählen über ihr eigenes Schicksal  und helfen beim Weiterkommen der Windhunde. Die Geschichte beginnt harmlos, gewinnt bald an Kraft und Witz, wird abenteurerisch und philosophisch-kritisch, um letztlich in der Spiritualität zu münden. Je länger die Reise um die Welt andauert, umso tiefgehender werden die Erfahrungen und Erlebnissen der Protagonisten.

Es geht um den Zusammenhalt und darum, daß man nur gemeinsam, miteinander vorankommen kann. Ein paar schaffen es nicht, wenn die anderen nicht mitmachen.

Der Ausgang der Geschichte ist gewissermaßen beinahe beschwörend. Es ist wahrlich eine Genugtuung nicht nur durch die Blume, sondern auch durch den Hund über so manch Tatsachen  zu plaudern.

Ich will mit dieser Geschichte helfen, unterhalten, unterrichten, erziehen und erzählen.

Ich will  Kindern und Erwachsenen etwas über eine vergessene und entwürdigte Hunderasse, erzählen. Zumal die Windhunde einst als Pharaonen – und Adelshunde vergöttert wurden. Als zweitschnellste Landsäugetiere der Welt sind sie in der heutigen Zeit ihres Stolzes beraubt worden. Sie werden als Hassobjekte und Bettler gefoltert und gedemütigt. Diese Geschichte möchte ihnen ein Stück ihrer Schönheit und Würde zurückschenken.

 

Und… hier ein Auszug aus einem Mail, geschrieben von der „Besitzerin“ von Emir, Aimee und Kaschim. Diese Frau ist außergewöhnlich und hat eine unbeschreiblich grausame Kindheit überlebt. Im wahrsten Sinne des Wortes – überlebt. Körperlich, seelisch, mental.

Sie ist in dem Masse mit dem Schicksal der Windhunde identifiziert, daß sie gegenwärtig unendlich viel bewirkt und hilft. Sie ist ein Mensch, der die eigene Tragödie im Dienste einer Sache geweiht hat… sie ist - die Windhundflüsterin…

 

Rubi:

„…Das wird das Buch meines Lebens! …Nina, wenn ich uralt bin wird das womöglich das Einzige Buch sein das ich mit ins Altersheim nehme….“

 

Nun herzlichste Grüsse von Schlomo, Wonka, von unzähligen Windhunden in Spanien und sonst wo… und von mir natürlich.

 

Nina C. Gabriel

 

 


Bildcollage aus " Schlomo und die Windhunde..." by Nina C. Gbariel